Irgendwann fragt fast jedes Kind, woher Geld eigentlich kommt. Die befriedigende Antwort – "vom Arbeiten" – reicht meistens nicht lange. Was folgt, sind Fragen über Sparen, Ausgeben, warum manche Dinge zu teuer sind und andere nicht. Das ist der Moment, in dem ein eigenes Konto mehr leisten kann als jedes Erklärungsgespräch: Es macht abstrakte Geldkonzepte greifbar. Kontostand, Buchungen, Guthaben – das sind keine Theorien mehr, sondern eigene Zahlen, über die man selbst entscheidet.
Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Und welches Modell passt zu welchem Alter? Die Antworten sind weniger eindeutig, als Bankwerbung suggeriert.
Unter 7, zwischen 7 und 14, ab 15 – drei sehr verschiedene Situationen
Das Bürgerliche Gesetzbuch macht einen klaren Schnitt: Kinder unter sieben Jahren sind geschäftsunfähig. Sie können keine Verträge eingehen, nichts kaufen und rechtlich gesehen über kein Konto verfügen. Ein Konto "für" ein Kind unter sieben Jahren ist de facto ein Konto der Eltern, das auf den Namen des Kindes läuft – oft als Sparform genutzt, etwa für das Kindersparbuch oder ein Tagesgeldkonto, das Eltern für den Nachwuchs anlegen. Das Kind selbst hat darauf keinen rechtlichen Zugriff.
Ab dem siebten Geburtstag beginnt die beschränkte Geschäftsfähigkeit. Kinder können jetzt Geschäfte abschließen, die ihnen ausschließlich Vorteile bringen – ein Geschenk annehmen, Taschengeld empfangen. Ausgaben hingegen brauchen weiterhin elterliche Zustimmung, zumindest für alles, was über den sogenannten Taschengeldparagraphen (§ 110 BGB) hinausgeht. Dieser erlaubt es Minderjährigen, Käufe eigenständig abzuschließen, die sie mit selbst verfügbaren Mitteln bezahlen – also etwa Taschengeld, das die Eltern gegeben haben.
In der Praxis bedeutet das: Ein Juniorgirokonto für ein Kind zwischen sieben und vierzehn Jahren ist möglich, aber die Eltern behalten die Kontrolle. Sie richten das Konto ein, setzen die Limits und genehmigen in der Regel, was darüber läuft. Das Konto ist ein Lernwerkzeug unter elterlicher Aufsicht – kein eigenständiges Zahlungsinstrument.
Ab 15 ändert sich die Dynamik. In diesem Alter eröffnen viele Banken explizit Jugendkonten, die mehr Selbstständigkeit erlauben. Manche Banken setzen die Grenze bei 16 oder 18, abhängig von internen Richtlinien. Ab 18 gilt volle Geschäftsfähigkeit – dann kann der junge Erwachsene ein Konto vollständig eigenständig eröffnen und führen, ohne elterliche Zustimmung.
Was ein Kinderkonto leisten kann – und was nicht
Der pädagogische Nutzen eines eigenen Kontos wird oft überschätzt und manchmal auch unterschätzt – je nachdem, wie das Konto begleitet wird.
Ein Konto allein lehrt nichts. Was es tut: Es schafft eine Struktur, in der Geldmanagement sichtbar wird. Ob ein Kind etwas daraus lernt, hängt fast vollständig davon ab, ob und wie Eltern das begleiten. Ein Konto, auf das monatlich Taschengeld überwiesen wird und das das Kind dann ignoriert, ist kein Lernwerkzeug. Ein Konto, über das Eltern regelmäßig sprechen – "Du hast jetzt X Euro, was möchtest du damit machen?" – schon eher.
Konkret sinnvoll wird ein Konto spätestens dann, wenn Kinder anfangen, selbst einzukaufen. Das ist für die meisten irgendwo zwischen zehn und dreizehn der Fall. Wer ein eigenes Konto hat und eine Debitkarte, kann im Supermarkt selbst bezahlen, versteht, dass die Zahl auf dem Kartenterminal den eigenen Kontostand beeinflusst, und erlebt zum ersten Mal den Unterschied zwischen verfügbarem Geld und dem, was man ausgeben möchte.
Was ein Kinderkonto nicht leisten kann: die Grundhaltung zu Geld vermitteln. Ob jemand mit Geld eher impulsiv oder bedacht umgeht, wird früh geprägt – durch das Elternhaus, durch Erfahrungen, durch Vorbilder. Ein Konto macht diese Haltung sichtbar, aber es formt sie nicht. Wer das von einem Bankkonto erwartet, wird enttäuscht sein.
Worauf bei der Auswahl wirklich zu achten ist
Der Markt für Kinder- und Jugendkonten ist in den letzten Jahren unübersichtlicher geworden. Neben den klassischen Angeboten von Sparkassen und Volksbanken gibt https://girokonto-eroeffnen.com/ es mittlerweile spezialisierte Fintechs wie Oskar, Pixelpanda oder das internationale Produkt GoHenry, die sich explizit auf junge Zielgruppen ausrichten – mit bunte Apps, Gamification-Elementen und elterlichen Kontrollfeatures. Diese Produkte sind oft teurer als klassische Bankkonten, bieten aber manchmal bessere pädagogische Tools wie Sparziele, Ausgabenkategorien oder Aufgaben-Belohnungssysteme.
Was bei jedem Anbieter geprüft werden sollte: erstens die Gebührenstruktur. Viele Kinderkonten sind kostenlos bis zu einem bestimmten Alter, danach fallen Gebühren an. Das Enddatum ist wichtig. Zweitens die Kartenfunktionen – welche Limits sind einstellbar, kann das Kind nur in physischen Geschäften zahlen oder auch online, gibt es eine Ausgabenkontrolle in Echtzeit für Eltern? Drittens die Datenschutzsituation, besonders bei Fintechs mit Sitz außerhalb der EU: Welche Daten werden gesammelt, wo werden sie gespeichert?
Für Jugendliche ab 15 oder 16, die bereits eigenständiger wirtschaften, sind die klassischen Direktbank-Jugendkonten oft die beste Wahl: kostenlos, mit echter IBAN, mit einer Debitkarte, die überall funktioniert, und ohne Gamification-Overhead, der in diesem Alter eher bevormundend als hilfreich wirkt. DKB, ING und Consorsbank haben in der Vergangenheit attraktive Konditionen für diese Altersgruppe angeboten – wobei sich die Details immer wieder ändern und ein aktueller Vergleich sinnvoll ist.
Der richtige Zeitpunkt für das erste eigene Konto ist letztlich keine Frage des Alters allein, sondern der Reife und des Kontexts. Ein Zehnjähriger, der regelmäßig Taschengeld bekommt, selbst einkaufen geht und Interesse daran zeigt, zu verstehen, wie Geld funktioniert, ist gut vorbereitet für ein erstes Konto. Ein Vierzehnjähriger, der noch nie einen Kontoauszug gesehen hat und kein Gefühl für eigene Ausgaben entwickelt hat, braucht zuerst das Gespräch – und dann vielleicht das Konto.
Ein Konto ist kein Erziehungskonzept. Aber es kann ein guter Anfang sein – wenn die Eltern dabei bleiben, zumindest in den ersten Monaten. Wer mit dem Kind zusammen in die App schaut, gemeinsam den Kontostand überprüft und Ausgabenentscheidungen bespricht, gibt nicht nur Finanzwissen weiter. Er zeigt auch, dass Geld ein Thema ist, über das man offen reden kann. Das ist langfristig wertvoller als jeder Zinssatz auf einem Kindersparbuch.